Ver­säubern von Nahtzu­gaben

6 Möglichkeiten die Stoffkante zu schützen

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Unter dem Begriff »Versäubern« versteht man das Umnähen der Stoffkante von Gewebe, um diese vor dem Ausfransen zu bewahren. Es schützt nicht nur die Kante und gibt der Naht Stabilität, sondern macht das Textil dadurch langlebiger, vom optischen Aspekt mal ganz abgesehen.

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Stoffkanten können direkt nach dem Zuschnitt versäubert werden, aber auch nach dem Nähen besteht die Möglichkeit die Kanten schick zu schützen.

Es gibt verschiedene Wege Stoffkanten oder Nahtzugaben zu versäubern. Bevor es los geht solltest du einige Faktoren beachten! Manche Stoffe fransen zum Beispiel mehr als andere, da eignet sich die eine Art des Versäuberns besser als die andere.

Ist die Schnittkante später sichtbar oder liegt sie unsichtbar im Kleidungsstück? Sind die Nähte in bestimmten Bereichen höher beansprucht als andere, bzw sind sie geschützt oder reiben sie an anderen Materialien oder gar an der Haut?

Natürlich bedarf das Versäubern von Stoffkanten Zeit und Geduld. Wir versprechen dir, am Ende wird es sich lohnen und du wirst dich über ein sauber verarbeitetes Innenleben freuen.

Solltest du keine Overlockmaschine besitzen, ist dies kein Problem! Wir zeigen dir, wie du auch ohne diese Maschine deine Stoffkante einfach und schön vor dem Ausfransen schützen kannst.

 

Zackenschere

Als einfachste Variante beschneidet man die Kanten einfach mit einer Zackenschere. Dies ist zwar die schnellste Variante, aber leider auch nicht so wirksam. Sie eignet sich gut für Stoffe, die kaum fransen, keiner hohen Belastung ausgesetzt sind und für innenliegende Nahtzugaben, wie z.B. bei einem abgefüttertem Kleidungsstück.

 

 

Zickzack Stich

Die gängigste Variante zur Versäuberung mit der Haushaltsmaschine ist der Zickzack-Stich. Wichtig ist dabei eine ordentliche, gerade geschnittene Kante.

Je nach Stoffdicke muss die Stichbreite passend eingestellt werden. Sollte der Stoff stark fransen, so stelle deine Stichbreite größer und deine Stichlänge kürzer.

Das Nähgut so platzieren, dass die Nadel einmal in den Stoff einsticht und einmal genau an der Kante des Stoffes vorbeifährt. So legen sich die Schlaufen von Unter- und Oberfaden um die Kante herum und sichern sie gleichzeitig ab.

Näht man einen dünnen Stoff mit einem zu breiten Stich, kann sich die Kante unschön einrollen. Hier muss die Stichbreite reduziert und die Stichlänge vergrößert werden. Zudem kann man statt des normalen Nähgarns ein dünneres Garn verwenden, damit die Naht nicht zu hart wird. Im Idealfall immer die Nahteinstellungen an einem Stoffrest überprüfen.

Du kannst die Naht auch vorher schließen und beide Nahtzugaben zusammen mit dem Zickzack Stich versäubern.

 

Einfassen mit Schrägband

Das Einfassen mit Schrägband ist eine sehr schicke und traditionelle Versäuberungs-Variante, die jedoch viel Zeit in Anspruch nimmt: Oftmals verwendet bei schicken Jacken und Blazern, die ohne Futter gearbeitet sind.

Wenn du die Nähte mit Schrägband einfassen möchtest, musst du bereits beim Zuschnitt die fertige Bandbreite bedenken. Die Nahtzugabe sollte immer 0,5 cm breiter sein als die fertige Schrägbandbreite.

Im Handel kann fertiges Schrägband in verschiedenen Qualitäten (meist Baumwolle oder Polyester), Farben und Breiten gekauft werden. Dieses Schrägband kann glatt oder vorgefalzt sein. Das glatte Band muss in vierfacher, das Vorgefalzte in doppelter fertiger Einfassbreite gekauft werden.

Das Schrägband kannst du jedoch auch selbst herstellen.

Schneide dir dafür einen Streifen aus dünnem Stoff oder Futterstoff im schrägen Fadenlauf zu. (45 Grad Winkel zur Kante) Der Streifen sollte 4x die fertige Einfassbreite beeinhalten. Teste es am besten vorher mit einem kurzen Stück aus, da sich wegen des schrägen Fadenlaufes der Stoff schnell ausleiert und verzieht. Manchmal empfiehlt es sich den Streifen von vornerein ein wenig breiter zuzuschneiden.

Wir zeigen dir wie du dein Schrägband richtig annähst.

 

Overlock-Maschine

Die Overlock-Maschine ist für jeden, der viel näht, eine wunderbare Ergänzung. Sie vereint drei Arbeitsschritte in einem: das Schließen einer Naht, das präzise Abschneiden der Kante und das Versäubern der Nahtzugabe.

Je nach Modell können Stiche mit 2-4 Fäden erstellt werden. Je mehr Fäden und Nadeln eingesetzt werden können, desto mehr verschiedene Nahtvarianten kann die Maschine nähen. Es gibt viele zusätzliche Funktionen, wie z.B. das Fertigen eines Rollsaums oder verschiedene industrielle Nähte.

Zum reinen Versäubern einer Kante braucht man 3 Fäden und eine Nadel. Auch bei der Overlock-Maschine können Stichbreite und -länge eingestellt werden und sollten mit Hilfe eines Stoffrestes an das Nähgut angepasst werden. Außerdem die Fadenspannungen immer genau aufeinander abstimmen. Hierzu am besten in der Bedienungsanleitung der jeweiligen Maschine nachlesen.

Wenn alles eingestellt ist, nur noch die Stoffkante knapp am Messer vorbeiführen. Überstehende Fädchen und Unebenheiten werden abgeschnitten und die Kante versäubert. Anschließend kann die Naht mit der Nähmaschine geschlossen und auseinander gebügelt werden.

 

Von Hand gesäumt

Du kannst aber auch ganz ohne Maschine deine Schnittkanten schützen, zum Beispiel mit einem Überwendlichstich, oder auch einem Festonstich. Er eignet sich nicht nur für das Sichern der Stoffkanten, sondern kann auch als Zierstich dienen.

Du benötigst hierbei lediglich Nadel und Faden.

Neben diesen beiden Stichen gibt es noch viel weiter schöne und nützliche Handstiche.

 

 

Der ausgefranste Saum

Eine weitere, besonders modische Art und Weise die Natzugabe zu »versäubern« ist das Ausfransen.

Du machst das, was wir ja eigentlich die ganze Zeit verhindern wollen – das Ausfransen des Stoffes.

Dies kann aber auch gewollt sein und sieht zudem noch super aus.

Gerade bei Denim, zum Beispiel deiner Jeans, ist das super schnell und einfach getan.

Das Ausfransen funktioniert ausschließlich bei gewebten Stoffe, nicht bei Maschenware.

Je nachdem wie deine Schnittkante verläuft, kannst du die Kett- und Schussfäden herausziehen. Meist sind diese unterschiedlich farbig und es ergibt einen tollen Farbeffekt.

Du benötigst dazu einen Nahttrenner oder eine kleine spitze Schere.

Ziehe vorsichtig Faden für Faden heraus. Damit sich die Nahtzugabe dort zukünftig nicht weiter ausfranst, kannst du einmal oberhalb der Fransen knappkantig auf dem Stoff entlang steppen.

 

In einem anderen Artikel zeigen wir dir außerdem 12 verschiedene Verbindungsnähte, die aber auch als Versäuberungsnähte dienen können.

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