Leder aus Hühner­beinen

Als Alternative zu Reptilienleder

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Das Erste, woran ihr jetzt gedacht habt, ist der appetitliche Geruch von Grillhähnchen, aber seid beruhigt: Die knusprige Haut auf den Hühnerbeinen unseres Lieblingsgefieders lässt sich, nicht gegrillt natürlich, perfekt färben und für jegliche Kreationen aus Leder verwenden.

Dank seiner Körnung ähnelt dieses etwas gewöhnungsbedürftige Material Krokodil- und Echsenleder. Hier erfahrt ihr, wieso dieses Produkt für eigene Entwürfe sehr interessant ist!

 

Ursprung

Offiziell wurde die Entdeckung von dem Central Leather Research Institute in Indien, abgekürzt CRLI, Mitte 2016 gemacht. Dabei bleibt unklar, ob es nicht auch schon zuvor andere Firmen schon hergestellt und verwendet haben.

Der Grund für die Forschung rund um das Thema war der Mangel an Leder aufgrund des sogenannten »Beef Ban« in Indien, ein Verbot für Kauf und Verkauf von Rindvieh, der Ende 2016 in Kraft gesetzt wurde. Somit exportiert Indien seitdem auch kein Rindfleisch mehr. In Indien sind jährlich ungefähr 20 000 Quadratmeter Hühnerbeinleder verarbeitbar.

 

Material

eigenschaften

Für all diejenigen, die von der Idee, ein Hühnerbein auf der Haut oder auf einer Tasche zu tragen, etwas erschrocken sind: die Optik des gesamten Beines kann gewöhnungsbedürftig wirken, jedoch ist das Leder, wenn zurechtgeschnitten, auch mit Reptilienleder verwechselbar. Beide weisen dieselben Strukturen und Körnungen auf. Somit trägt diese geruchlose Alternative zu Echsen- oder Krokodilleder auch aktiv zum Artenschutz bei.

Das Leder von Hühnerbeinen wird nur als Abfallprodukt der Tierhaltung verwendet. Die Tiere werden dafür nicht speziell gezüchtet. Die am häufigsten verwendete Hühnerart ist die auch meist konsumierte, das Haushuhn.

Als einfaches Nebenprodukt der Herstellung unserer alttäglichen Nahrung, schadet die Produktion dieses Leders nicht der Umwelt.

 

Wo erhalte ich Hühnerbeinleder

und mit welchen Preisen

muss ich rechnen?

Das Material ist hauptsächlich im Internet erhältlich. Wir empfehlen besonders den Online-Shop Piracolor.de.


Quelle: Onlineshop Piracolor, Hühnerbein lila, ©piracolor

Je nach Shop variieren die Preise zwischen 1,00 € und 2,50 € pro gegerbtes und gefärbtes Hühnerbein. Diese sind jeweils ungefähr 13 bis 15 cm lang und 3 bis 4,5 cm breit. Die Dicke des Leders beträgt ungefähr 0,6 mm. Manche Online-Shops bieten auch Matten aus Hühnerbeinleder an. Diese sind zur Herstellung von größeren Lederartikeln besser geeignet. Die Ledermatten bestehen aus Lederstreifen, die durch sehr starke Nähte miteinander verbunden sind.

 

Verwendungszwecke

Die Verarbeitung der Haut ist sehr aufwendig, demnach sind Artikel aus Hühnerbeinleder nicht gerade gängig. Durch die kleine Größe der Lederstücke wird die Haut der Hühnerbeine vor allem für Uhrarmbänder, kleine Schmuckstücke und Portemonnaies verwendet. Grundsätzlich werden oft mehr als 10 Beine gebraucht, um eine Geldbörse nähen zu können.

Der Bekleidungssektor hat sich noch nicht wirklich an das Thema herangetastet. Dabei wäre dieses Produkt für Kleidung und sogar Lederartikel ideal! Besonders auf Taschen und Clutches erzielt dieses Material einen maximalen Effekt. Aus den Ledermatten ließe sich auch perfekt ein Rock oder der Teil einer Jacke fertigen. Die vielen verschiedenen Farbmöglichkeiten ermöglichen auch absolute kreative Freiheit.

Wir können euch nur dazu ermutigen, euch an diesem Material auszuprobieren. Ihr wäret womöglich die Ersten, die dieses Leder für größere Kreationen verwenden. Wir sind von der Optik dieser Alternative zum Rindleder unheimlich begeistert. Auch warten wir mit großer Gespanntheit darauf, dass Designer der Prêt-à-Porter und Haute Couture Segmente sich dieses Material aneignen und es in zukünftigen Kollektionen verwenden!

Achtung: Hühnerbeinleder ist nicht mit Hühnerleder zu verwechseln! Hühnerleder ist eine Bezeichnung für feines Schafs- und Ziegenleder, das vor allem zur Herstellung von Damenhandschuhen verwendet wird.