GUCCIO GUCCI Designer­portrait

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»Noch lange nachdem der Preis vergessen ist, erinnert man sich an die Qualität.« Guccio Gucci

 

Das Modehaus Gucci

Gegründet: 1921, Florenz

Geschäftssitz: Florenz

Stil: jung, eklektisch, traditionell

Produktgruppen: Luxusgüter, Bekleidung, Schuhe, Taschen, kleine Lederwaren, Modeschmuck, Parfums

Modecodes: Horsebit-Loafer, Gucci-Emblem, Tigerkopf

Chefdesigner: 

  • Guccio Gucci: 1921 – 1953
  • Dawn Mello: 1989 – 1994
  • Tom Ford: 1994 – 2004
  • Alessandra Facchinetti: 2004 – 2005
  • Frida Giannini: 2005 – 2015
  • Alessandro Michele: 2015 – heute

 

GUCCIO GUCCI – 

PERSÖNLICHES

1881 wird Guccio Gucci in Florenz in einer nicht sehr wohlhabenden Familie geboren. Mit 16 Jahren fängt er in London im Savoy Hotel als Lobby Boy an.

Die Eleganz der Kunden sowie ihre teuren Koffer und Taschen faszinieren den jungen Mann. Er kehrt 1902 in seine Heimatstadt zurück, gründet eine Familie und beginnt, in einer Ledermanufaktur zu arbeiten.

 

Die Entwicklung

der Marke Gucci

  • 1921: Gucci eröffnet in Florenz seinen ersten Laden für Lederartikel in der Via Vigna Nuova.
  • später im selben Jahr folgt das zweite Geschäft in der Via del Parione, Florenz.
  • 1935/1936: Der Völkerbund erlässt im Zuge des Abessinienkrieges eine Handelssperre gegen Italien. Es dürfen keine Waren mehr importiert werden.
  • Guccio Gucci sieht sich gezwungen, Alternativen zum importierten Leder zu finden.
  • Er entwickelt einen canvasartigen Stoff, der bis heute noch in jeder Taschenkollektion verwendet wird.
  • Ursprünglich waren auf dem Stoff aneinandergereihte Diamanten zu sehen. Sie bildeten das erste Logo der Marke.
  • Später wurde das Gucci-Logo durch die gedoppelten G’s erweitert.

Gucci, Men, Herbst/Winter 2017, ©Stefan Knauer
  • 1938: Der erste Gucci Store in Rom eröffnet auf der berühmten Via Condotti.
  • Damals eine Neuheit: Celebrities als Markenbotschafter. Berühmte Schauspieler trugen die Kleidung nicht nur in Filmen, sondern auch im Privaten.
  • Grace Kelly, Elizabeth Taylor und auch Audrey Hepburn gehörten damals zu den treuen Anhängern der Marke.
  • 1947/48: nach Ende des Zweiten Weltkrieges beginnt die Firma Gucci, wieder mit Leder zu arbeiten.
  • Guccio Gucci fängt an, Schweinehaut für Handtaschen zu benutzen. Das Schweinsleder war und ist eine günstige und trotzdem formbeständige Alternative zu Rindsleder.
  • 1951: Eröffnung des dritten Gucci-Stores in Mailand.
  • 1953: Eröffnung des ersten Gucci-Stores in New York, im Savoy Plaza Hotel.
  • 2. Januar 1953: Guccio Gucci stirbt im Alter von 71 Jahren in Mailand.

 

DIE MODE

Der berühmteste Schuh der Marke, der „Horsebit-Loafer“ wird nach dem Tod Guccio Guccis zum Bestseller:


Horsebit Loafer, Herbst/Winter 2017, ©Stefan Knauer
  • Francis Ford Coppola und George H.W. Bush tragen das Modell in ihrer Freizeit sowie für öffentliche Auftritte.
  • Dustin Hoffmann trägt den weltbekannten Schuh 1979 im Film »Kramer vs. Kramer«.
  • Auch Präsidenten-Gattin Jacqueline Kennedy ist großer Fan der Marke. 1961 wird sogar eine ihrer viel getragenen Taschenmodelle in »Jackie« umbenannt.
  • 1966: Guccio Gucci entwirft das Motiv »Flora« für Prinzessin Grace von Monaco.

Flora by Gucci, Quelle: Instagram Alicias Kipper
  • Später verwendet auch Chefdesignerin Frida Giannini das Motiv »Flora« sehr häufig.
  • Sogar in der Herbst-Winter Kollektion 2017 von Alessandro Michele findet sich das Motiv Flora auf Taschen, Accessoires und der Mode wieder.

 Alessandro Michele für Gucci, Herbst/Winter, 2017, ©Stefan Knauer
  • 1963: nach Florenz, Mailand und New York eröffnet der erste Gucci Store in Paris.
  • 1972: Expansion der Marke nach Asien, der erste Gucci Store eröffnet in Tokyo.
  • 1974: Erster Flagshipstore in Hong Kong.
  • 1975: Markteinführung des ersten Parfums namens »Gucci No 1«. Der französische Parfümeur Guy Robert entwickelt einen klassischen Duft aus Geranie, Hyazinthe und Bergamotte.
  • 1987: Die Firma Investcorp erwirbt 50 Prozent der Marke Gucci.
  • 1989: Dawn Mello, damalige Präsidentin des New Yorker Edelkaufhauses Bergdorf Goodman, wird zur Vizepräsidentin und Kreativdirektorin Guccis ernannt.

Die neue Kreativchefin Dawn Mello bringt Richard Lambertson als Design Direktor und Tom Ford als Designer des weiblichen Prêt-à-Porters in das italienische Unternehmen. Unter ihrer Leitung werden die mittlerweile über 1000 Verkaufsorte der Marke auf 180 reduziert.

Gucci-Produkte können ab jetzt nur noch exklusiv in einem Shop der Marke gekauft werden. Diese Strategie bringt der Marke ihre Exklusivität zurück.

  • 1993: Maurizio Gucci, Enkelsohn des Gründers, verkauft seine Anteile der Marke an Investcorp und beendet somit die Einbindung der Gründerfamilie in die Zukunft der Firma.
  • 1994: Tom Ford wird Kreativdirektor der gesamten Gucci Marke.
  • 1995: Fords erste Kollektion bringt Gucci wieder an die Spitze der Mode. Klassische Blumenmotive auf Kleidern und Tüchern kontrastieren mit eleganten Frauenkostümen. Die Schnitte sind gerade und clean, jedoch nicht ganz ohne Provokation.
  • Der von Tom Ford entwickelte »Porn Chic« wird zu einem der Schlüsselstile der 90er Jahre. Sexy, hautenge Entwürfe und provokante Werbung markieren diesen Stil.
  • Auch in seiner eigenen Marke verwendet er später diesen Stil, vor allem für Parfum- und Accessoirekampagnen.

Kampagne von Tom Ford für Gucci, Frühjahr 2003, Quelle: Instagram Lilymin_coco

 

  • 1996 bringt Investcorp Gucci an die Börse.
  • In den Jahren 1994 bis 2002 entwickelt der CEO von Gucci, Domenico de Sole, gemeinsam mit dem Kreativdirektor Tom Ford die Gucci-Group.
  • Insgesamt werden sechs Modehäuser (Yves Saint Laurent, Balenciaga, Alexander McQueen, Stella McCartney, Bottega Veneta, Sergio Rossi, Boucheron und Bedat) aufgekauft.
  • 2001 kauft der Luxusgüterkonzern PPR (Pinault Printemps Redoute) die gesamte entstandene Gucci-Group.
  • 2002: Frida Giannini – zuvor bei Fendi als Handtaschen-Designerin tätig, startet als Designerin im Accessoire Bereich bei Gucci.
  • Seit 2004 gehört Gucci fast vollständig zum neu benannten PPR-Luxusgüterkonzern, »Kering« (zu 99,4%).
  • 2004: Tom Ford verlässt Gucci.
  • Alessandra Facchinetti, zuvor Designerin bei Miu Miu, startet als Kreativdirektorin bei Gucci.
  • 2004: Frida Giannini, schon seit 2002 in der Accessoire-Abteilung des Unternehmens tätig, wird zur Leiterin der Damen-Accessoires ernannt.
  • 2005: Nach nur zwei Saisons verlässt Facchinetti das Unternehmen.
  • 2005: Frida Giannini wird Chefdesignerin der Prêt-à-Porter Kollektionen für Damen.

Tom Ford provozierte mit sexueller Werbung. Frida Giannini konzentrierte sich dagegen zunächst wieder auf das Erbe des Hauses.

Sie entwirft anhand des »Flora« Motives, das Grace Kelly auf Seidentüchern trug, eine gesamte Taschenkollektion aus bunter Seide. Diese versichert ihr ihren ersten kommerziellen Erfolg.

»Fashion is always about looking up movies and cinema because it is a world of imagination.« – Frida Giannini, 2013

  • 2006 wird Frida Gianni zur Chefdesignerin des gesamten Labels befördert.
  • 2014: Frida Giannini und ihr Partner und CEO der Marke, Patrizio di Marco, werden aufgrund vom Umsatzrückgängen gekündigt.

 

DER UMSCHWUNG –

Michele gibt einen

ganz neuen Ton an


Michele, Herbst/Winter 2017, ©Stefan Knauer

François-Henri Pinault, Leiter des Kering-Konzerns, der Gucci seit 2004 fast vollständig besitzt, möchte 2014 die Marke in eine etwas »more daring direction« lenken.

  • Januar 2015: Alessandro Michele startet als Kreativdirektor bei Gucci.
  • Zuvor arbeitete er bereits als Designer unter Tom Ford und Frida Giannini

Bereits seine erste Kollektion bringt neuen Schwung in das eingestaubte Modehaus. Vintage und Exzentrik treffen auf romantische Naivität.

Die Kleidungsstücke aus dieser Herbst Winter Kollektion 2016 werden zu Bestsellern und verzaubern die Modekritiker.

Mit Michele erreicht das Haus Gucci einen neuen Kultstatus, der nicht nur durch Sex, sondern gut getimte Archiv-Revivals entsteht. Durch Kooperationen mit jungen Künstlern spricht die Marke ein jüngeres, aber dennoch wohlhabendes Publikum an.

Die Kampagnenfilme der kanadischen Künstlerin Petra Collins unterstreichen das neue eklektische Image der Marke.

Auch der Künstler Trouble Andrew durfte mehrmals mit Gucci kooperieren. Der ehemalige olympische Snowboarder besprüht seit 2013 New Yorks öffentlichen Wände mit seinem »Gucci-Ghost«.

Chefdesigner Michele ist durch Instagram auf den Graffiti-Künstler aufmerksam geworden und konnte ihn für eine Zusammenarbeit gewinnen. Trouble Andrew verzierte daraufhin nicht nur Accessoires mit seinen Graffitis, sondern auch Kleidungsstücke.


Trouble Andrew für Gucci, Herbst/Winter 2016, ©Stefan Knauer

Trouble Andrew für Gucci, Herbst/Winter 2016, ©Stefan Knauer

 

Aktuelle Bestseller

der Marke

  • Horsebit-Loafers in klassischem Rot, Schwarz oder Braun, sowie in bunten Jacquard Stoffen und Samt
  • Slippers und Mules mit und ohne Lammfellfütterung
  • Vintage Logo-T-Shirts und Sweatshirts
  • Marmont Taschen-Linie: Schultertaschen aus matelassé Leder in klassischen Farben bis hin zu buntem Wildleder

Gucci Herbst/Winter 2016, Marmont Tasche, ©Stefan Knauer
  • Dyonisus Taschen-Linie
  • Verschiedenste Patches
  • Tigerkopf
  • Turnschuhe mit aufgenähten Patches

 

Gut zu wissen

  • 1995: Nachdem Gründer-Enkel Maurizio Gucci seine Frau Patrizia verlässt, lässt sie ihn von einem Auftragsmörder erschießen.
  • 1998 schafften es die »Genius-Jeans« von Gucci unter der Kategorie »teuerste Jeans der Welt« ins Guiness World Records Book.
  • Bis heute verwendet Gucci das günstigere Schweinsleder für seine Accessoires.