Anna Jannicke

Düsseldorf // Text me Sext me

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Was steckt hinter deiner Kollektion „Text me Sext me“?
Durch eine Künstlergruppe aus Chicago habe ich angefangen mich mit dem Thema der medialen Kunst und deren Einfluss auf Sexualität zu beschäftigen. Aber auch digitale Künstlerinnen, die soziale Netzwerke zur Selbstinszenierung benutzen, haben mich inspiriert. Dabei geht es darum, gesellschaftliche Normen zu hinterfragen und den weiblichen Körper neu zu definieren.

Momentan ist das Thema sehr präsent. Woran liegt das deiner Meinung nach?
Eine aufgeschlossene und fortschrittlich denkende Gesellschaft passt nicht zur sexualisierten Darstellung von Frau und Mann in den Medien. Das geschlechterdifferenzierte Bild von Frauen, die sich sexy und anbietend in Pose setzen, während Männer stark und cool wirken sollen, ist bei genauerer Untersuchung immer noch allgegenwärtig.

Wie konntest du diese Thematik in deiner Kollektion darstellen?
Ich habe mich sehr mit der unterschiedlichen Darstellung von Mann und Frau in den Medien sowie mit Sexualität und Gender im Allgemeinen beschäftigt. Gerade den Einfluss der Medien auf unsere sexuelle Identität und unser Körperideal wollte ich in meiner Arbeit hinterfragen. Auf Instagram gibt es einige Künstlerinnen, die versuchen ein anderes Frauenbild zu schaffen. Sie präsentieren sich mit sichtbarer Körperbehaarung oder Periodenblut und treffen damit einen wunden Punkt. Ich denke, dass wir uns Schritt für Schritt von den einengenden Gesellschaftsgrenzen entfernen.

Wie konntest du das stilistisch umsetzen?
Das Thema durch bloße Nacktheit darzustellen, fand ich zu offensichtlich und habe deswegen subtiler und abstrakter gearbeitet. Gleichzeitig habe ich mich aber auch mit Phallus- und Vagina-Symbolik beschäftigt, was man in meiner Kollektion an dem textilen Spiel mit Genitalien und Brüsten sieht. So habe ich beispielsweise stoffliche Nachbildungen der Vagina auf Kleidungsstücke gearbeitet oder Kleider mit Deformierungen entwickelt, die an Brüste erinnern, auf denen aber statt Nippel Perlenapplikationen in Penisform gestickt sind.

Warum glaubst du, dass deine Kollektion so provoziert?
Ich finde wir müssten alle einen viel selbstbewussteren Umgang mit Sexualität und Körperidealen haben. Wenn man den Kontext meiner Kollektion nicht kennt, können die großflächigen Darstellungen von Genitalien schockieren.

BGS-Studenten_Anna_Jannicke

INSPIRIERT DURCH: Kunst, Fotografie (Jürgen Teller, Terry Richardson), Labels: Vetements, J W Anderson, Westwood

PHILOSOPHIE: Mode ist tragbare Kunst in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vereint werden

LOVE: Sich von Kleidung inspirieren lassen, neue Sachen ausprobieren und sich nicht von gesellschaftlichen Konventionen einzuengen, sondern das zu tragen was man mag.

HATE: Es gibt keine No-Go’s, feel free!