Coco Chanel Designer­portrait

9

»Fashion passes, but style remains« – Coco Chanel

Das Modehaus Chanel

Gegründet: 1913, Deauville

Geschäftssitz: Neuilly-sur-Seine, Frankreich

Stil: Traditionsbewusst, wertprägend, klassisch

Produktgruppen: Bekleidung, Accessoires, Schmuck, Parfum, Kosmetik, Merchandising Products

Modecodes: das kleine Schwarze, kragenlose Tweedjacken, Bordürensaum, goldene Knöpfe, Handtaschen mit Steppverzierungen und Trageriemen aus metallischen Kettengliedern, weiße Schuhe mit schwarzer Kappe, Perlenschmuck, Kamelie, Duft Chanel No. 5


Die Designerin Coco Chanel
19. August 1883 in Saumur, Pays de la Loire, † 10. Januar 1971 in Paris

Gabrielle Chanel wurde als zweite uneheliche Tochter von Henri-Albert Chanel und der Wäscherin Eugénie Jeanne Devolle geboren. Insgesamt hatte sie fünf Geschwister. Als Chanel 12 Jahre war, starb ihre Mutter und der Vater gab sie und ihre Schwester in ein von Nonnen geführtes Waisenhaus, wo sie eine Ausbildung zur Näherin machte.

Die Umgebung, in der sie aufwuchs, prägte sie als Designerin sehr: Sowohl die Präferenz für Schwarz-weiß Kombinationen lässt sich auf die Tracht der Nonnen zurückführen, als auch weitere Elemente im Schmuck als Anlehnung an Kirchenfenster.

Mit 18 Jahren verließ sie das Kloster, nahm private Schneideraufträge an und arbeitete als Showgirl. Aus dieser Zeit stammt ihr Name Coco, obwohl sie selbst angab, ihre Vater habe sie so genannt, zu dem sie aber seit dem Tod der Mutter keinen Kontakt mehr hatte. 1909 konnte sie Dank der finanziellen und gesellschaftlichen Unterstützung des Industriesohnes Ètienne Balsan ein eigenes Hutatelier eröffnen. Durch Balsan lösten ihre Hüte in der Pariser Oberschicht große Begeisterung aus.

1913 konnte sie durch einen Kredit ihres nächsten Geliebten ihre erste Boutique eröffnen. 1918 folgte eine Haute Couture Salon. In ihrem privaten Umfeld galt sie als verbittert und schwierig. Sie selbst bezeichnete sich als ehrgeizig und diszipliniert. Bis zu ihrem Tod arbeitete sie an einer neuen Kollektion.

Chanel verstand das Modemachen als eine Möglichkeit die Frau zu unterstützen. Sie entwarf schlichte Kleider aus leichtem Baumwolljersey, die den Körper locker umspielten und verzichtete auf viele Verzierungen.

Ihre wichtigsten Werke, die die Modewelt bis heute prägen:

Handtasche Modell 2.55 aus dem Jahr 1955

  • Name durch das Erscheinungsdatum: Februar 1955
  • Inspiration durch die männliche Militäruniform und die dazugehörige Tasche
  • Gestepptes Rautenmuster
  • Burgunderrotes Futter
  • Metallkette als Trageriemen

Das kleine Schwarze

  • Schwarz als die zum jeden Anlass passende Farbe und in Anlehnung an ihre Zeit im Kloster
  • Ein Kleid, das zu jeder Frau passt
  • Erfindung der neuen frauenfreundlichen Silhouette: weiblich, aber nicht zu körperbetont, dass sich die Frau eingeengt fühlt
  • Pariser Chic, der französische Sinn für Ästhetik und Eleganz

Tweed

  • Ein Material, das seinen Ursprung in Schottland hat
  • Coco Chanel trug einen Männerjogginganzug aus Tweed und lernte die Bequemlichkeit zu schätzen
  • Die Ermöglichung von bewegungsfreier Kleidung für Frauen, die noch dazu wärmende und atmungsaktive Eigenschaften mit sich bringt
  • Zunächst verspottet, dann als revolutionär bezeichnet, nachdem Größen wie Marlene Dietrich Chanels Tweed-Mode trugen und die Vorzüge des Stoffes präsentierten


Der Designer Karl Lagerfeld
10. September 1933, Hamburg

Nach dem Tod Chanels hatte das Label zunächst keine richtige kreative Leitung, was dem guten Ruf des Hauses sehr zusetzte. Karl Lagerfeld ist seit 1983 Nachfolger von Coco Chanel. Nachdem er in Hamburg und Bad Bramstedt zur Schule gegangen ist, ließ er sich 1953 mit seiner Mutter in Paris nieder. Dort arbeitete er zunächst als Illustrator.

1955 gewann er den Preis des Internationalen Wollsekretariats und konnte besonders mit einem Wollmantel von sich reden machen. Kein Geringerer als Pierre Balmain saß in der Jury und bot dem jungen Lagerfeld eine Schneiderlehre an. Nach dieser Ausbildung arbeitete er für Jean Patou, Chloé und weitere große Modehäuser.

Seit 1965 ist er als Damenmodedesigner bei dem italienischen Label Fendi unter Vertrag. 1974 gründete er mit Karl Lagerfeld Impression sein eigenes Unternehmen in Deutschland, das er 2005 an die Tommy Hilfiger Group verkaufte.

Bis 1983 war er für verschiedene Labels tätig und ging mehrere Kooperationen ein. So war er der Erste, der 2004 für das schwedische Label H&M designte. Dann übernahm er die kreative Leitung von Chanel und verhalf dem nach dem Tod von Gabrielle etwas angestaubten Label zu neuem Glanz.

Er hat es verstanden die alten Codes des Hauses, wie Tweed, Perlen und Schwarz-Weiß-Kombinationen fortzuführen und jede Kollektion mit einen modernen Aspekt zu erweitern. Privat lebt er seit dem Tod des langjährigen Partners Jaques de Bascher (1983) eher zurückgezogen und konzentriert sich auf die Arbeit.

Highlights der letzten Kollektionen
Karl Lagerfeld ist besonders für seine extravagante Art der Modeinszenierung bekannt und schafft es mit seinen Shows immer wieder die Fashionwelt zum Staunen zu bringen. In der Sommersaison 2010 verwandelte er den Grand Palais in Paris zu einem einzigen Heuhaufen. Die Besucher der Show wurden noch Wochen später an das Spektakel erinnert, weil in Tasche oder Schuh noch ein Halm des Naturstoffes zu finden war.

Im Sommer 2012 ging alles um leichte, fließende Materialien. Für Karl Lagerfeld die Möglichkeit Tiefgang zu gewähren und die Models samt Publikum in eine weiße Unterwasserwelt zu entführen. 2014 wurde die Show in einem »Chanel Shopping Centre« dargestellt und das übermäßige Konsumverhalten in Frage gestellt. Kein anderer Designer hat zuvor Thunfischdosen und Ketchupflaschen auf dem Catwalk gebracht.

2015 ging es politisch weiter, indem Lagerfeld die Mode in Kombination mit Megafonen und Protestplakaten präsentierte. Er thematisierte die Rolle der Frau und die Situation in der Gesellschaft, indem er einen Straßenprotest inszenierte.